unser erstelltes logo auf dem Treffen...

Samstag, 27.04.2007

I Vorbesprechung

Themen:

Inhaltliches: Texte im Kontext der Kulturgeographie vorbereitend zum GeographInnentag.
-> Mitchell, Belina, Hall

Organisatorisches:
Präsenz auf GeographInnentag
Präsenz in Internetforen kritisch-geographischer Zeitschriften (Geographische Revue)
Fachschaftsverteiler (re-)aktivieren
Persönliches Netzwerk zusammenstellen
wenn einfach möglich Geographie-StipendiatInnen von ‚linken‘ Stiftungen herausfinden und in Verteiler aufnehmen

Handwerkliches/ to-do für dieses Treffen:
Flyer/ Plakat gestalten
Was ist kritische Geographie? Veranstaltung aufŽm GeographInnentag: Projektskizze machen

II „Arbeits“-Block Kulturgeographie (Belina vs. Hall)

Texte:
Belina, Bernd (2003): Kultur? Macht und Profit! – Zu Kultur, Ökonomie und Politik im öffentlichen Raum und in der Radical Geography. in: Gebhardt/Reuber/Wolkersdorfer [Hrsg.] (2003): Kulturgeographie – Aktuelle Ansätze und Entwicklungen. Heidelberg/Berlin.
Hall, Stuart (1994): Das Lokale und das Globale – Globalisierung und Ethnizität. in: ders. (1994): Rassismus und kulturelle Identität. Hamburg.1

a) Belina-Text
Klärung inhaltlicher Verständnisfragen (Reifizierung, Hegemonie-Begriff etc..)
Disko über Türkeibeitritt (nur ökonomische Gründe? oder mehr Machtfragen, Rassismus, „europäische Identität“ -> Stabilität/Rückhalt/ Micha (gö) wird hiermit beauftragt eine Diplomarbeit über dieses Problem zu verfassen…)
Disko über underclass-Diskurs
Vorschläge für spätere Disko:
-Subkulturen des Widerstandes? Kultur und Ideologie?
-überhebliche/eurozentristische Ansicht?

Handout von Sebastian (mü):
Bernd Belina (2003): Kultur? Macht und Profit! – Zu Kultur, Ökonomie und Politik im öffentlichen Raum und in der Radical Geography

Ziel: Zu zeigen, dass Kultur „im Namen von Macht und Profit“ eingesetzt wird.
Im Gegensatz zum postmodernen Ansatz will der marxistische das Verhältnis von Kultur zu Politik und Ökonomie nicht interpretieren, sondern erklären.

Was ist Kultur?
Belina betont die materielle Grundlage jeglicher Kultur, nämlich den Stoffwechselprozess zwischen Mensch und Natur (=Arbeit). Jeglicher Umwandlungsprozess von Natur durch Arbeit ist Kultur. Kultur entstammt daher auch immer den herrschenden Produktionsverhältnissen

Dagegen stehen drei andere Kulturbedeutungen, die die materielle Basis bzw. die Produktionsverhältnisse, in denen jede Kulturproduktion eingebettet ist, ignorieren:
1.Kultur = Prozess intellektueller, geistiger und ästhetischer Entwicklung  Kultur als Gegensatz zur Ökonomie
2.Kultur = spezifische Lebensweise einer sozialen Gruppe
3.Kultur = Intellektuelle und künstlerische Aktivitäten

Beispiel für einen materialistischen Zusammenhang:
Kulturprodukte benötigen Arbeit, (Sklaverei, Frondienst, Lohnarbeit)
Zusammenhang zwischen postmoderner Ästhetik und postfordistischer, flexibler Akkumulation (Harvey)

Ideologie: Erscheinung von partikularen Interessen als Allgemeininteressen, dabei können sowohl Nutznießer als auch Unterdrückte von der Richtigkeit ihrer Annahmen überzeugt sein.

Culture wars dienen der Herstellung von Hegemonie (Gramsci) und sind daher Ausdruck eines Kampfes um Macht und Profit und nicht auf eine rein geistige Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Wertvorstellungen zu begrenzen.

Beispiele:
Eu Beitritt der Türkei
These von der „Kultur der Armut“
Obdachlose im öffentlichen Raum

Aufgabe einer Kulturgeographie: Ideologiekritik! „Wer reifiziert zu welchem Zweck?“
Warum sind Aussagen falsch und interessegeleitet?

b) Text Steward Hall:

Poststrukturalistische Kulturgeographie, die versucht, Unzulänglichkeiten der marxistischen Theorie auszufüllen und in dem Zuge einen Fokus auf Differenzen und Lokalität und im Gegensatz zur aus dem Marxismus erwarteten Homogenisierung legt.

Auseinandersetzung mit Widersprüchlichkeiten neuer (raumgestaltender) kapitalistischer Entwicklungen und darin entstehenden kulturellen Identitäten. Kein Gegensatz zum Marxismus aber anderer Schwerpunkt. Zwei Pole EINER Entwicklung mit unterschiedlichen Perspektiven. Im Gegensatz zu Smith keine ökonomische Herleitung sondern getrennte Sphären.

Beispiele: Nationalismus, Männerbild. Kapitalismus hat sich auf neu entstehende Bedürfnisse die im Zuge seiner eigenen Entwicklung ‚eingestellt‘

Diskussion über Reichweite des Konzepts ‚Postmoderne‘ (wie weit und auf wie viele trifft es real zu) und dessen Differenzierungen im Text.

Exkurs Regulationstheorie. Gründe Wandel vom Fordismus zum Postfordismus. Unterscheidung und Zusammenhang zum Neoliberalismus.

FRAGE: Arbeitet Hall tautologisch (nach Bernd) oder nicht?
- Nein, weil er materialistisch argumentiert.

Verhältnis Biologisierung/Psychologisierung des Bedürfnisses nach fester (nationaler) Identität in komplexer Welt zu seiner eigenen Kritik daran. Welche Sprecherposition nimmt Hall ein?

EXKURS: Was sind kulturelle Identitäten und wie werden diese produziert? Durch Zuschreibungen, durch Ausschluss, durch gemeinsame Geschichte, Traditionen…? Was ist Kultur? Deutungs- und Wertemuster? Gruppenphänomen? Schnittstelle aus vielen Linien wie Geschlecht, Herkunft, Sozialisation, (geweckten) Bedürfnissen… Oder ist Kultur erst, wenn diese Schnittstelle sich mit bestehenden kulturellen Verständnissen deckt?

Betonung von Differenzen und Disparitäten können hier auch als positiv und (quasi-)natürlich verklärt werden und damit verschwindet der Anspruch, eine gewisse Gleichheit zu fordern (Hinweis auf relationale Wirtschaftsgeographie). Gefahr postmoderner Theorie, alles relativ zu sehen und nicht mehr werten zu können. Akzeptanz von Unterdrückung (Lanze für Bernd, hinter Kultur Probleme von Macht und Profit analysieren zu wollen.)
Daran knüpft die Frage an, was Gleichheit heißt? Gleichmacherei oder Gleichwertigkeit?
Wie gleich macht das wirkungsmächtige Konstrukt der nationalen Identität. Hall benutzt keinen homogenen Container-Raum-Begriff.

Wann ist postmoderne und wann ist marxistische Theorie sinnvoller? Welcher Kulturbegriff?

III Vortrag zu Critical Whiteness

Referent: Adrian de Silva
-lehrt in Göttingen und Oldenburg
-Schwerpunkte in Queer-Studies und Politikwissenschaft
-wohnt in Bremen

1.Was ist CW-Studies?
2.Was ist Weißsein?
3.Wie wird Whiteness analysiert?
4.Potentiale/ Gefahren.

1.
im Kontext von Gleichheitsforderungen in den 90ern in den USA entstanden.
Whiteness-Privilegien bedroht.
Basiert auf schwarzen, postkolonialen und feministischen Studien.
Whiteness untersucht als Herrschafts-/Dominanzstruktur von der Minoritätenposition.
Konzentriert sich auf die normativen Prozesse der weißen Dominanzkultur. Vergleichbar mit den Queer-Studies.
Nicht nur Kritik an Weißsein, sondern auch Weißsein verändern (vgl. undoing gender).

2.
Ort kultureller Praktiken, die undefiniert bleiben, ein Ort um auf die Welt zu blicken.
Kein Absoluter Ort der Privilegierung, sondern immer auch von anderen Herrschafts-/ Unterdrückungsachsen durchzogen.
Whiteness als Herrschaftsverhältnis, ideologisches Konstrukt als Legitimation.
Relationalität von Whiteness, z.B. Historisch.
Vorwurf: Alles Konstruiert, nicht real; jedoch: Konstrukte sind wirkungsmächtig!
Weißsein eine politische Kraft, die die Verteilung politischer Ressoucen mitbetreibt.

3.
westl. Philosophie: scheinbar unbeteiligt, jedoch weiße Männer machen sie. Universalitätsanspruch!
CW nur möglich mit kritischer Selbstreflektion weißer Subjekte als ForscherInnen.
Studie über White Supremacist Movement.
Studie zum Kontext Globalisierung.
Kritik von single Access Theories: Nur mit einem Zugang: z.B. marxistische Theorien, feministische Theorien.
Kritik zweigeschlechtlicher Binarität.
Kritik an Pauschalisierung von Subjekten, z.B. als Opfer und nicht mehr als AkteurInnen.
dt. Kontext (Walgenbach): Staatsangehörigkeit eher unerheblich, weniger wichtig als Hautfarbe: Viel mehr als in den USA bspw.: Deutschsein als Weißsein begriffen. Biologisch begründete Identität, aus dem Identitätsbedarf in der napoleonischen Fremdherrschaft (jus sangis), Weltherrschaftsbedürfnis in der späten Kolonialzeit, Mischehenverbot (1905), Einwanderungsverbot (1906) -> Deutschsein = Weißsein.
Nazis: Hautfarbe spielt keine Rolle mehr. Seither der Begriff Rasse tabuisiert. Jedoch prägen die Inhalte des Begriffs weiterhin die Realität Deutschlands. Problematisch.
Whiteness als brüchiges Konzept und wandelbar: Studie zu White Trash (`AsozialŽ); Weiße, die nicht den moralischen Whiteness-Normen entsprechen, keine angemessene Arbeit, Verhalten,Moral, z.B. weiße Dienstboten in den Zeiten der Sklaverei, oder Weiße, die mit Schwarzen Bündnisse eingehen. Nach den Sezessionskriegen: Whiteness nach eugenischen Aspekten bewertet, Zwangseinweisung, Sterilisation.
Whiteness, als umkämpfte Kategorie. Iren als Einwanderer in den USA nicht willkommen, erst durch Rassismus gegen Schwarze anerkannt worden. Es gibt innerhalb der Weißen einflussreiche Gruppen, die bestimmen, was weiß ist.

4.
Potentiale:
- Kritische Selbstreflektion.
- Differenzierungen innerhalb des Weißseins.
- Weißsein als teil der Verschränkung von Machtachsen.

Gefahren:
- Beschränkung auf die Differenzierungen, Forschung als „Weißsein entdecken“, statt die Auswirkungen dieser Strukturen auf alle anderen zu betrachten
- Deskribtivität als Trivialisierung.
- Selbstgeißelung, damit auch abstreifen, lossagen. White guilt = Ablenkung vom Problem, als Hinlenkung auf die eigene Schult.
- Rasse als Kategorie nicht überall vorhanden (z.B. Tribalism in Afrika)
- Rassismus als ein weißes Problem betrachten (z.B. Geschichte Chinas, Rasse wird auch woanders hergestellt.)

Diskussion:
Anknüpfungspunkte Geographie&Critical Whitness (Migration, städtische Segregation, „weiße Räume“ (??)…)
kritische Selbstpositionierung/ -reflexion für wiss. Arbeiten (bewusst machen, dass man selbst/andere zu einer privilegierten Gruppe gehören/gehört)
parallele Ansätze von queer-theory und critical whitness („Heteronormativität/Weißsein als hegemoniale Kategorien macht erst ‚die Anderen‘ fremd“)

Sonntag, 28.04.2007

IV Aufteilung in 2 Gruppen

IV a) Bayreuth

Erstellung einer Projektskizze3
Idee für einen „Kritischen Raum“, wo nicht nur konsumiert werden soll (interaktiv)
Micha (gö) und Michael (mü) übernehmen die Koordination (!!)
Micha (gö) versucht einen Raum zu erhalten
auf dem nächsten Treffen (Leipzig??) vor Bayreuth im September (??) können endgültige Sachen geplant/besprochen werden
Arbeit muss aber jetzt schon anlaufen, wenn das ‚OK‘ für den Raum kommt (Freiwillige vor…)

IV b) Öffentlichkeitsarbeit

Gruppe hat sich gestalterisch und formulierungtechnisch betätigt
es gibt nun folgendes4:
AK Logo
Plakatvorlage für folgende Treffen etc.
Flyer für Bayreuth

V Abschlussdisko

a) Orga

für das nächstes Treffen vor Bayreuth (um die Sachen vorzubereiten) würde sich Leipzig anbieten, da erstens ganz viele Leute von uns im September dort sind / sein könnten (Münsteraner, Anika, Bernd, Bernd etc.)
dies müsste also bald entschieden sein!!!
außerdem hatte Bernd B. angeboten, bei einem vorbereitendem WE für den Geographentag, mit zu helfen
Überlegungen den Verteiler zu wechseln, da
1.er unzuverlässig ist
2.keine großen Dateien erlaubt
3.einige überlegt haben, einen internen Diskoverteiler und einen externen Info-Verteiler aufzumachen
müssen dringend die Problematik mit der Homepage lösen (Sebastian (mü) wollte Info’s einholen
die Trefforte sollten wieder routieren

b) sonstiges

das Seminarhaus war für alle sehr angenehm und ist empfehlenswert und unterstützenswert5
Atmosphäre des Treffens war auch angenehm und „produktiv“ aber nicht stressig und gehetzt
es ergaben sich in den Themenblöcken spannende Diskussionen
die meisten aber außerhalb…
positiv wurden die „praktischen“ Arbeitsblöcke erachtet (Bayreuth/Öffentlichkeit)
Manko war, dass wir zu wenig Zeit hatten, da alle schon am Sonntag abreisen mussten (und nicht erst MO)
wenn alle die Texte inhaltlich vorbereitet hätten, wäre mehr Zeit für anderes gewesen
trotz der geringen Vorbereitung ist das Treffen toll geworden!