Plakat-Ak-kritische-geo-göttingen 2007

Protokoll Freitag

I Begrüßung

II klar ziehen von Sachen, die auf dem AK laufen…

* Input für Geographen-Tag in Bayreuth von Bernd (B)
* Labour Geography von Micha (B) am Sa.
* Ideologie und Raum (Organisation/Strukturen von Seminaren) von bg-geo-goe am Sa
* Nachhaltigkeit von Frieling (gö) 17 Uhr Sa

III Erwartungen

-etwas zu linken (autonomen) Seminaren

IV Was könnte morgen passieren- „Zukunftsarbeit“ für den AK

-Projekt über linke GeographInnen – Disziplingeschichte, Zukunftsaussichten
-Vorbereitung einer AG auf dem 30. BUKO in Leipzig (6.-9.4)
-Bayreuth

V Bayreuth

a) Info’s

* Feststellung: ein Geographen-Tag endlich mal wieder ein linker Geotag
* Don Mitchell kommt und macht insgesamt drei Veranstaltungen (1x keynote, 1x ???, 1x „Teach-In“, d.h. „radical cultural geography“ abseits des Geographen-Tag)
* Bernd macht eine Sache mit Mitchell und ein Antipode-Lecture („Linke GeographInnen im Exil“) und anderes (habe ich leider vergessen, am besten auf der Homepage schauen…)

b) Was machen wir?

* Möglichkeit: Leute auf dem Teach-In von Mitchell versuchen Leute „abzugreifen“, um am nächsten Tag eine Veranstaltung zu machen mit möglichen Themen:

* Politisierung von radical cultural geography * Mainstream-Geographie vs. radical cult. geography * Neue Kulturgeographie * Bernd hat noch erwähnt, dass er auch dazu ein hierarchisches (*grins*) Wochenende anbieten könnte, für eine Vorbereitung

VI nächstes Treffen

* Vorschlag: TOP „Geographentag“
* „Hauptsäule“: inhaltliche Ausarbeitung (Don Mitchell, Neue Kulturgeographie)
* Terminvorschlag: Mitte April bis Anfang Mai
* Orte: Münster, Saasen

VII Organisation von Treffen

* Die offene Struktur soll beibehalten werden, weil sich oft interessante Themen ergeben. Es können aber durchaus Themen festgezogen werden (auch Zeit z.B) um für interessierte GeographInnen „werben“ zu können, damit sie eine Ahnung haben, was dort im Groben von statten geht.
* Man könnte eine Check-Liste für solche Treffen anfertigen, damit nicht jede Gruppe immer wieder von Neuem anfangen muss (z. B. Deadline’s setzen etc.)

Protokoll Samstag

I Vortrag „Labour Geography“

a) Allgemeines

* Labour Geographie zwischen Wirtschafts- und Politischer Geographie
* Kritik an Wirtschaftswissenschaften und marxistischer Geographie (Bsp:Weber/Christaller aber auch marxistische Theorie: ArbeitnehmerInnen werden lediglich unzureichend als passive Faktoren behandelt bzw. Kapital als einziger raumgestaltender Faktor)
* Sind aber aktiver Faktor, gestalten Wirtschaftsraum mit
* Harveys „Spatial fix“: Im Raum vorhandene Produktionsbedingungen für das Kapital wie z.B. dauerhafte Infrastruktur, aber auch feste soziale Regulierung (Lohnniveau, Rechte, Streiks…) um Mehrwert zu erwirtschaften1. Räumliche Verortung des Kapitals und Notwendigkeit des spatial fix.
* ArbeitnehmerInnen haben gleiche Bedingungen: „Labour spatial Fix“.
* Feste Bestandteile im Raum, um wieder verwertbar zu werden (Freizeiteinrichtungen, auch Lohnniveau etc.). ArbeitnehmerInnen haben auch Bedürfnisse an den Raum. Raumgestaltendes Beispiel: Wohnungsbaugenossenschaften, um Wohnraum für ArbeiterInnen zu schaffen.
* Ansatz einer Geographie von „unten“, die sich politisch versteht. Wie Wirtschaftsgeographie von Kapitalisten verwertet werden kann, soll labour geography von ArbeiterInnen verwertbar sein. Was ist erfolgreich2? Welche räumlichen Veränderungen spielen eine Rolle?

* Henry Lefebvre: Vorprägung des Raumes durch das Kapital. Dann werden nachträglich die Bedingungen zwischen Arbeit und Kapital im Raum verhandeln.
* Harrod: Keine Vorprägung von Kapital, gleichwertige Behandlung als raum gestaltender Faktor.
* Michaels Kritik: Herrschaftsverhältnis wird nicht theoretisch gefasst.

b) Forschungsbeispiele

* Labour Geographie sehr praktisch, viele Fallbeispiele z.B. Kampf der LandarbeiterInnen in 1930er Jahren (Don Mitchell). Ergebnis: Zentralisierte Farmerverbände haben Diskurs des „Localism“ gefahren, nur wer einheimisch ist darf mitbestimmen. Verhindert dass sich die scale und damit die Kampfstärke der ArbeiterInnen verändert.
* Entscheidend für Mitchell (aber auch andere marxistische TheoretikerInnen): Frage der Maßstabsebene (scale) mit Unterschiedlichen Erklärungsmodellen mit unterschiedlichen Reichweiten. Wann und warum rückt ArbeiterInnenkampf auf andere scale (durch Zusammenschluss verschiedener Gruppen).
* Frage: Wie verlief nun die Distribution? Hier spielen andere, nicht-marxistische Faktoren eine Rolle: Wer hat nun gute und wer weniger gute Verträge bekommen (Hautfarbe, Ethnie, Geschlecht…)

* Anderes Beispiel: Uni Campus Yale. Wie interagieren die ArbeiterInnen auf dem Campus untereinander, wie spielt die Architektur ne Rolle? Welche Räume verbessern die Organisation der ArbeiterInnen untereinander.
* Außerdem: Wie funktioniert internationale Solidarität unter ArbeiterInnen? Reagan-Krise, Streikbruch mit öffentlichen Mitteln. Auch heute unter Bush „Anti-Union-Law“. Dagegen „Internationally Movement“, gegenseitige Hilfe um nicht gegeneinander ausspielbar zu sein.
Modelle:
* ) Transformierende Solidarity (Idealfall, an universeller Idee der Klasse orientiert, Kampf nicht für eigene Gruppe, sondern für gesamte Klasse)
* ) Accomodest Solidarity (Eigener „spatial fix“ muss über Solidarität mit anderen gesichert werden.)
* Methoden um Modelle zu ermitteln: Was sind die Forderungen? Wie verlaufen in den Forderungen die Beziehungen untereinander. Inwieweit spielt der eigene Raum eine Rolle, in welchem Maßstab wird gedacht und gefordert?

* Jane Wills: Wie verhält sich Traditionsbewusstsein im Raum? Beispiel: Textilfabrik in England. Welche Rolle spielt scale? Wie läuft die Organisation (räumlich)? Entscheidend: Wie werden Ideen verbreitet? Insofern verbreitet oder bewegt sich Tradition im Raum. (Spielt auch bei Migration ne große Rolle). Rolle der Medien bezüglich räumlicher Verbreitung. Sowohl was Erfolgs- aber auch Misserfolgsnachrichten verbreitet, wie wirkt sich das aus?
Welche staatlichen Gegenstrategien gibt es um die Ausbreitung zu verhindern? Bspw. Straßensperren.

* Beverly Silver (2005): Zeitungsartikel (NYT London Times) und über Streiks und Arbeiterunruhen von 1870 bis 1996 geclustert räumlich ausgewertet. Standortverlagerungswellen über Stärkung der ArbeitnehmerInnenforderungen. Arbeit mit Weltsystemtheorie. Allerdings kein Ansatz „von unten“.

c) Michaels Projekt:

* Gramschianischer Ansatz, Herrschaft über Hegemonie ins Auge zu fassen. Erweiterung der marxistischen Betrachtungsweise.
* Hegemonie: Mischung aus Zwang und Konsens.
* Gewerkschaften an der deutsch-polnischen Grenze (interregionale Gewerkschatsverbände). östlich von Berlin, Kooperation dreier Verbände.
* Fragestellung: Was gibt das Instrument IGR, um auf wirtschaftlich Veränderungen besser zu reagieren?
* Aspekte: Solitarität und Raum, Traditionen, Blickwinkel auf Europa, welche scales gibt es in Europa, auf welchen Ebene hat IGR Wirkungsmacht?
* Methode: Interviews mit ArbeiterInnen ausgewertet bezüglich Europa

d) FRAGEN und DISKUSSION

* Inwiefern spielt Geographie hier eine Rolle, welches Mehr an Erkenntnis bringt die räumliche Betrachtung? -> Anknüpfend an „klassische“ Wirtschaftsgeographie, bringt aber den Mehrwert über die aktive Betrachtung und ArbeiterInnen. Außerdem spielt Frage der räumlichen Vernetzung ne wichtige Rolle um Standarts zu halten. Spatial fix lässt sich sonst gegeneinander ausspielen
* Es geht in der Debatte um den „Standort Europa“
* Aktuelle Diskurse:
* ) Soziales Europa
* )Neoliberales Europa
* ) Neomerkantilistisches Europa

o Paradox: Freier Markt Europa und trotzdem standortnationalistische Tendenzen.
o Bastiaan von Appeldoorn: Wie tauchen Manager-Papiere in der EU auf, wie und wann werden Meetings angesetzt um großen Einfluss zu haben? Transformation vom neo-merkantilistischen zu neoliberalem Projekt. Schaffung eines europäischen wettbewerbsfähigen Binnenmarktes3 = Economy of scale.
o Durch den „Jump of scale“ auf Seiten des Kapitals (marxistisch formuliert) fehlt den ArbeiterInnen auf europäischen Ebene das Werkzeug und die Infrastrukturen zur Vernetzung, zur Stärkung der eigenen Interressen. Insofern Zeitvorsprung des Kapitals.
o Frage nun: Soll man europaweit solidarisch sein oder gleich weltweit?

II Vortrag von H.D. von Frieling “ Nachhaltige Entwicklung“

o das konzept entstand im un-kontext, mit dem brundtland-bericht ’87 und der umweltkonferenz in rio ’92.
o nachhaltige entwicklung (im folgenden: ne) ist sowohl bestandteil staatlicher politik als auch gesellschafts- und kapitalismuskritische forderung.
o massarat spricht von einem „epochalen lösungsansatz“ und verbindet damit gerechtigkeit und gleichheit im zugang zu ressourcen.
o altvater prophezeit das „ende des kapitalismus“, da die umwelt an ihre grenzen gerät. nur mit moralischer/solidarischer ökonomie und der solaren gesellschaft gäbe es eine zukunft. ne müsse als instrument für eine transformation des kapitalismus gesehen werden.

o die staatliche politik versucht wirtschaftliches wachsum und nachhaltigkeit zu verbinden, um gleichermaßen umweltzerstörung und armut zu vermeiden. das konzept ne enstand im historischen kontext der weltwirtschaftskrise der 80er und der umweltbewegung, mit den politischen erfolgen z.b. der „grünen“.
o die instrumente sollen technischer fortschritt, preispolitik, ge- und verbote sowie bewußtseinsbildung und das einhalten von belastbarkeitsgrenzen sein.
o preispolitisch geht es um die monetarisierung der gesamten natur, um damit die verschwendung der kanppen güter zu verhindern. da aber der mehrwert das hauptinteresse bei investitionen sein muß, ändert diese „bepreisung von natur“ nichts an der kapitalistischen kalkulation, auch wenn sich umweltschutz als profitabel herausstellen sollte. auch wird der staat als „ideeller gesamtkapitalist“ in erster linie die produktionsbedingungen sichern. auch die „effizienzrevolution“, also der sparsamere umgang mit ressourcen z.b. mit besserer technologie, war schon immer praxis, wenn dies einen konkurrenzvorteil bedeutete.
o mit dem errechnen von tragfähigkeitsgrenzen erfolgt gleichermaßen eine bewertung von natur, um die interessen des kapitals einzuschränken. aber selbst bei einer knappheit oder der erkenntnis der „endlichkeit von natur“ weicht das kapital lediglich in andere „geschäftssphären“ aus.

o warum wird dieses konzept dennoch verfolgt?
o es ist eine strategie der modernisierung, der kapitalistischen herrschaftssicherung. mit „ökologischen leitplanken“ wird auf die krisenhaftigkeit des systems reagiert, das mittelfristig seine eigenen produktionsbedingungen zerstört.
o sowohl altvater als auch massarat fordern nicht die abschaffung des kapitalismus als notwendige konsequenz, sondern verbleiben in reformistischen ansätzen. bzw. entlarven sie ne nicht als imperiales projekt europas.

Diskussion

o schafft solidarität notwendigerweise umweltbewußtsein?
o ist umweltschutz überhaupt politisch oder eine notwendigkeit?
o fordern nur „verliererinnen“ gerechtigkeit?
o gerechtigkeit heißt mangel verteilen
o herrschaftsstrukturen sind ausschlaggebend
o konsumentinnensouveränität ist begrenzt, da z.b. einkommensabhängig
o bsp. coca cola kampagne
o kritisierte konzernpraktiken sind kein spezifisches problem, siehe nestle, kraft food usw.
o ist jeweils strategische frage, hat immer symbolwirkung
o auch kampagnen mit bspw. greenpeace können strategisch sinnvoll sein, wenn sie reale lebens- und umweltbedingungen verbessern bzw. erhalten
o nachhaltigkeit taugt als konzept, sich „gut zu fühlen“

o z.b. „biofood“ ist letztlich modernisierung, labeling, gibts als begriff auch an der börse etc.

III Ergebnisse der Teilgruppen

a) Projekt: Linke Geographische Tradition in der deutschsprachigen Geographie

Idee
o wir (Micha und wudi) werden uns auf die Suche nach der linken / kritischen / feministischen Geographie im deutschsprachigen Raum begeben
o wie: erstmals durch Interviews mit (ehemals/aktuellen) linken GeographInnen. Aus diesen Quellen soll dann ein Artikel geschrieben werden.
o warum: es gibt viele Gründe dafür…

Geschichte der Idee
o im Berliner Kreis gab es Ideen und auch Arbeiten zu dieser Thematik (einen Vortrag????)
o leider gab es nicht mehr die große Gelegenheit auf dem Treffen von Bernd darüber mehr zu erfahren (die Idee daran weiterzuarbeiten war auch relativ spontan entstanden).
o wir wollten auf jeden Fall noch Kontakt zu den UrsprungsideengeberInnen aufbauen!!

Ablauf des Projekts / ideal schematisch utopischer Ablauf
o Kontaktaufbau zum Berliner-Kreis und dem AK… (warten auf Feedback etc.)
o die Liste der potentiellen Befragten erweitern
o die Leitfragen für das Interview möglicher weise nochmals diskutieren
o Leute suchen, die ebenfalls Interviews durchführen wollen (für diese Sache wäre ein Treffen im April/Mai sehr gut)
o mit den Interviews anfangen
o Transkription
o Daten zusammen tragen
o Auswertung
o Artikel schreiben
o Artikel veröffentlichen

b) Projekt: Geographentag Bayreuth 2007

o Gruppe hat sich zu möglichen Aktionen beschäftigt, die der AK in Bayreuth rocken könnte
o Ideen für Veranstaltungen, wo sich der AK vorstellen kann
o Druck von Postkarten/Flyern, die dort unter die Leute gebracht werden können, um darauf aufmerksam zu machen

c) autonome Seminare

o Micha (gö) hat einigen das autonome Seminar vorgestellt
o Diskussion über den Widerspruch „autonom“ und „Scheine vergeben“

IV Sonstiges

o wir haben den Text Don Mitchell: The End of Culture? Culturalism and Cultural Geography in the Anglo-American „University of Excellence“7 gelesen. Wir wollten den auch diskutiern, jedoch hat die Zeit leider nicht genügt.