Vortrag von Thomas Bürk über seine Doktorarbeit über Angsträume in Brandeburg

Untersuchung von Übergriffen aus der Perspektive von Opfergruppen, wobei die rechte
Hegemonie im öffentlichen Raum nur die Spitze des Eisberges ist.
Alltagsrassismus in Kleinstädten – Wechselverhältnis zwischen militanten Neonazis und Restbevölkerung

Versuch mittels qualitativer Sozialforschung an Hand von drei Städten in Brandeburg diese Situation
zu erforschen, mit dem Ideal, die rechte Hegemonie durchbrechen zu können un die rudimentären Ansätze
der Zivilgesellschaft zu stärken

Protokoll – Diskussionsrunde mit Anke Strüver, Feministische Geographie(n), Samstag 25.02.2006

Brainstorming:

* sex, gender, öffentlicher / privater Raum, Judith Butler, Reproduktionsmechanismen, gender-mainstreaming, „blinde Flecke“ bei Marx, Konstruktion / Dekonstruktion von Geschlechtern / Geschlechterrollen, feministische Wissenschaftskritik, Angstraum-Forschung, Queer Theory

* wie hat sich die feministische Geographie / feministische Wissenschaft entwickelt ?
* Ursprünglich aus der Politik, hielt Einzug in die Wissenschaft in den 1960er, 1970er Jahren
* Seitdem gegenseitiges befruchten von feministischer Politik ? feministischer Wissenschaft und umgekehrt

* feministische Politik: befasst sich weitestgehend mit ?Alltagsproblemen? von Frauen, bspw. Schlechtere Entlohnung v. Frauen, Abtreibungsproblematik, etc.
* feministische Wissenschaft: Analysekategorie „Geschlecht“ als Forschungsobjekte, aber auch als Forschungssubjekte

Feministische Gesellschaftstheorien / Forschungsansätze / Feministische Geographie
1) Gleichheitsfeminismus (ab 1965)
* Prinzipiell: grundsätzliche Gleichheit zwischen Mann und Frau
* Unterschiede zwischen den Geschlechtern entstehen durch gesellschaftliche Machtverhältnisse, Sozialisation, etc.
* Forderung nach Aufhebung sämtlicher geschlechtsspezifischer gesellschaftlicher Unterschiede

* Ermöglichung, nach individuellen Fähigkeiten und Vorlieben zu leben, statt nach gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen
* Gender-Konzept: Unterscheidung zwischen sozialem Geschlecht (Gender) und biologischem Geschlecht (Sex);
* Phase wird auch feministischer Empirismus gennant
* Analyse der Nutzbarkeit bestimmter Infrastruktur; gibt es Barrieren für Frauen? Beispiel: Mobilität

2) Differenzfeminismus (ab 1970)
* Betonung der sozialen Differenz von Mann und Frau
* zwischen Männern und Frauen gibt es einen zeitlosen naturgegebenen Unterschied, der ihr Leben von Anfang an bestimmt
* Frauen werden naturgegebene Wesenszüge nachgesagt, die sie unabhängig von Kultur und Geschichte gemeinsam
* Ein Forschungsfeld mit herausragender Bedeutung: Die von Frauen geleistete (unbezahlte) Reproduktionsarbeit / Naturnahes Wirtschaften durch Frauen (bzw. die Naturverbundenheit von Frauen)
* Ablehnung des Gleichheitsfeminismus
* 1. Phase der Angstraumforschung (Beispiel: Hans Gebhardt, Tübingen): untersucht wird, wo Frauen Angst haben. Die Frage nach dem ?warum? ist in dieser Phase mehr oder weniger unbedeutend; in der heutigen Angstraumforschung ist nicht mehr der Raum im Fokus der Untersuchungen, sondern die gesellschaftlichen Hintergründe, die Sozialisation von Frauen, die Konstruktion von (Angst-)Räumen, etc

3) Sozialkonstruktivismus, Dekonstruktivistischer Feminismus (ab 1985)
* starke Kritik an den biologistischen Argumentationen der Positionen 1) und 2)
* Dekonstruktion der Dekonstruktion: Sowohl das biologische, natürliche Geschlecht (sex) als auch das soziale Geschlecht (gender) sind gesellschaftliche Konstrukte und das Geschlecht müsse deshalb als Klassifikationseinheit abgelehnt werden (Judith Butler)
* Aufbrechen des Dualismus sex; gender
* Angenommene Gemeinsamkeiten (Geschlechts)-Identitäten werden dekonstruiert; es gibt so viele Identitäten, wie es Menschen gibt.
* Auch die in den vorherigen Ansätzen angenommene Zweigeschlechtlichkeit wird bestritten und durch das Anerkennen von Vielgeschlechtlichkeit ersetzt.
* Forschungsfeld: Wie entsteht Identität (auch : Raumidentität), wie entsteht Subjektivität durch die Gesellschaft
* Ansatz eng verflochten mit cultural studies, postkolonialer Theorie

-> Hier folgte ein Exkurs zu Simone de Beauvoir und „das andere Geschlecht“; es wurde u.a. die Frage gestellt ob de Beauvoir als Vorläuferin von Judith Butler gesehen werden kann.

->“Die“ feministische Geographie ist eher eine wissenschafttheoretische Perspektive als ein Fachgebiet der Geographie; mit welchen epistomologischen Prämissen gehe ich an die Forschung heran, wie analysiere ich Subjekte, Objekte; welche Methoden verwen
de ich, etc.

Gender Mainstreaming:
* Was ist Gender Mainstreaming? Versucht, die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen durchzusetzen
* Kritik: Gender Mainstreaming birgt die Gefahr der Verwässerung erreichter Ziele ? Rückfall in die Phase des Gleichheitsfeminismus
* Sorge um Zementierung von binären Geschlechtervorstellungen durch G.C.
* Vertuscht häufig die vorhandenen Strukturen (Probleme von Frauen im akademischen Betrieb; Benachteiligung durch Besetzungskommissionen, etc)